Biber Herrmann bot Blues vom Feinsten

Sklaven, die aus Afrika in die amerikanischen Südstaaten verschleppt wurden, wo sie auf Baumwollplantagen hart arbeiten mussten, entwickelten einst den Blues. Wie kann ein „Weißer“, wie Matthias „Biber“ Herrmann, diese Musik nicht nur spielen, sondern auch leben? Der gelernte Winzer erklärt dem Publikum mit einem wissenden Lächeln: wer die Arbeit an steil ansteigenden Weinhängen gewohnt ist, und das bei 40° Celsius, versteht den Blues, auch wenn er nicht, wie die Sklaven, ausgepeitscht wurde.
Angespornt von seinem älteren Bruder, der in den 60er Jahren eine Beat-Band gründete, brachte sich Biber selbst das Gitarrespielen bei. Im Alter von 17 Jahren entstanden die ersten Plattenaufnahmen, bevor er mit Mundharmonika und Gitarre quer durch Europa zog. Einen seiner ersten Auftritte in einer Saarländer Kneipe beschreibt er heute noch als einen negativen Höhepunkt. Begleitet vom Sound der Flipper und Spielautomaten vernahm er nur einmal den Applaus des Publikums. Der galt aber nicht ihm, sondern einem Kneipengast, der auf der Dartscheibe ins „Schwarze“ traf.
Doch davon ließ sich Biber jedoch nicht entmutigen. Mittlerweile ist der Singer/Songwriter aus Eltville am Rhein Profi-Musiker und im ganzen Land als Ausnahmegitarrist bekannt. Auf seiner Rainbow-Walker-Tour machte er am 31. März Station in Neustadt an der Orla.
In der Stadtbibliothek geht es sonst eher ruhig zu. An diesem Tag jedoch spürte man den Blues zwischen den Regalen. Mit kurzen Pausen zwischen den mal gefühlvollen, mal stimmungsvollen Liedern, die Biber zum Erzählen von Episoden aus seinem Musikerleben nutzte, versetzte er seine Gitarren in die verschiedensten Stimmungen. Die Stimmung beim Publikum, das in Thüringen ein anderes ist als im Saarland, änderte sich nicht. Von Anfang an aufmerksam aber begeistert lauschten die Zuhörer dem „Weißen Blueser“. Wippende Füße und trommelnde Finger ließen die Vorfreude auf sein nächstes Konzert 2009 in der Stadtbibliothek Neustadt erahnen.

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Published in: on April 1, 2008 at 1:19 pm  Schreibe einen Kommentar  

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