Ein Deutschlandreisender in der Orlastadt

Worldrunner Robby Clemens lief rund um den Globus, Thomas Heinze bereiste die Grenze zwischen Europa und Asien und Landolf Scherzer wanderte fünf Wochen durch Osteuropa. Wer unterwegs sein, auf Reisen gehen will, muss nicht zwangsläufig lange Wege zurücklegen. Alle drei Abenteuer konnte man auch in aller Gemütlichkeit erleben – in der Stadtbibliothek Neustadt.
Das Reisen bringt es manchmal mit sich, die wichtigen Momente zu verpassen. Den Mauerfall verschlief Christoph Dieckmann (mit einem kirchlichen Dienstreise-Visum im Gepäck) in der Schweiz. Die Wiedervereinigung erlebte er wieder nur aus der Ferne, denn eine Auszeichnung des World Press Institutes ermöglichte ihm 1990 eine halbjährige Reise durch 20 Städte der USA. Umso glücklicher waren wir, als Christoph Dieckmann rechtzeitig in Neustadt eintraf, um hier von einer Reise zu berichten, für die er die Landesgrenzen nicht überschritten hat. Sein Buch „Mich wundert, daß ich fröhlich bin. Eine Deutschlandreise“ stellte er am 25. Oktober in der Stadtbibliothek vor.
Andreas Schirneck sorgte mit dem „Wandersmann“, seiner Interpretation des Klassikers der Klaus-Renft-Combo, für die musikalische Eröffnung des Abends, womit sich ein Kreis schloss. Bereits vor sechs Jahren präsentierte an dieser Stelle Michael Rauhut das von ihm herausgegebene Buch „Bye bye, Lübben City. Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR“. Im ersten Kapitel vergibt Christoph Dieckmann den ersten Platz seiner persönlichen Bestenliste der DDR-Rockmusik an den „Wandersmann“.
Nachdem Bibliotheksleiterin Alexandra Junge für den roten Faden durch Vita und Schaffen Dieckmanns gesorgt hatte, las der gelernte Filmvorführer, studierte Theologe und Möchtegern-Fußballreporter aus seinem Buch und trat den Beweis an, dass er zu Recht als Meister der literarischen Reportage gehandelt wird. Er erfindet nicht, sondern erlebt und nimmt den Leser mit auf eine lebenspralle Deutschlandreise durch Ost und West. Von Zittau bis Helgoland, von Wittenberg bis Bayreuth erzählt er Gegenwart mit Vorgeschichte.
Von Dieckmanns Gespür für Menschen und Ereignisse und seiner (Hin-)Gabe, davon zu berichten, konnten sich die zahlreichen Zuhörer an diesem Abend überzeugen. Dass er sie mit seinen Worten nicht nur unterhalten, sondern auch erreicht hat, zeigten die vielen Gespräche im Anschluss an die Lesung, die dem Autor der Wochenzeitung „Die Zeit“ und (auch in aktuell schweren Zeiten) bekennenden Fan des FC Carl Zeiss Jena einen langen Abend bescherten.
Ein großes Dankeschön gebührt der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, die den gelungenen Abend ermöglichte.
„Jedes Erinnern ist altersgebunden und lebt in der Biografie – auch der kollektiven.“, schreibt Dieckmann. Die mehr als 40 Besucher werden sich nicht nur persönlich, sondern auch kollektiv und sicher gern an den Abend zurückerinnern.

Fotos von der Lesung finden Sie HIER.

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Published in: on Oktober 26, 2010 at 7:49 am  Schreibe einen Kommentar  

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