Buch des Monats: „Rotkäppchen muss weinen“ von Beate Teresa Hanika

Er nennt sie Rotkäppchen, als er sie mit einem Korb am Fahrradlenker den Berg hinabfahren sieht. Rotkäppchen – weil in dem Korb Wein und Essen sind für den Großvater, dessen Einsamkeit nur ein Vorwand ist. Rotkäppchen – weil der Weg aus dem Wald dunkel und steinig ist. Rotkäppchen – weil der Wolf sie längst in seiner Gewalt hat.
Beate Teresa Hanika erzählt einfühlsam und sensibel die Geschichte von einem Mädchen in größter Not – aber auch von einer Freundschaft so weit wie der Himmel und von einer ersten Liebe so zart wie Schneeflockenfedern.

Es begann, als Lizzy nicht da war. Ihre beste Freundin, die sie sonst immer nach der Klavierstunde zu ihrem Großvater begleitet hat. Doch dann fuhr Lizzy in die Ferien, der Opa brauchte Hilfe und Malvina sollte ihm jeden Tag das Essen bringen …

Es gibt da nichts zu beschönigen: Kindesmissbrauch ist ein unbequemes Thema. Ein Thema, das aufbringt und von allen Medien bedient wird. Doch dieser Roman ist weit mehr als ein Problembuch über Kindesmissbrauch. Er lebt von differenzierten Stimmungen und interessanten Charakteren und wagt einen Blick in die Abgründe menschlichen Zusammenlebens. Er hält ein Plädoyer für die Freundschaft, erzählt von erster Liebe wie von Schneeflockenfedern und vermeidet dabei jegliches Pathos. Virtuos spielt er mit literarischen Mitteln und entzieht sich dabei jeder Vorhersehbarkeit. Und die Autorin entlässt ihre Heldin und den Leser mit der Hoffnung, dass jedes Unglück ein Ende haben kann. So wird die Lektüre zu einem intensiven Erlebnis, das man nicht missen möchte.

Beate Teresa Hanika, geboren 1976 in Regensburg, ist Fotografin. Ab 1997 arbeitete sie mehrere Jahre als Model in verschiedenen europäischen Städten. Bereits seit ihrem zehnten Lebensjahr schreibt sie Geschichten und Gedichte. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort in der Nähe von Regensburg. Ihr erster Roman ›Rotkäppchen muss weinen‹ wurde u.a. mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2007 und dem Bayerischen Kunstförderpreis 2009 ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert.

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Published in: on April 1, 2011 at 6:20 am  Schreibe einen Kommentar  

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