Buchtipp: Der Untertan von Heinrich Mann

© Archiv S. Fischer Verlag

Aber es wäre unnütz, euch zu raten. Die Geschlechter müssen vorübergehen, der Typus, den ihr darstellt, muß sich abnutzen: dieser widerwärtig interessante Typus des imperialistischen Untertanen, des Chauvinisten ohne Mitverantwortung, des in der Masse verschwindenden Machtanbeters, des Autoritätsgläubigen wider besseres Wissen und politischen Selbstkasteiers. Noch ist er nicht abgenutzt. Nach den Vätern, die sich zerrackerten und Hurra schrien, kommen Söhne mit Armbändern und Monokeln, ein Stand von formvollen Freigelassenen, der sehnsüchtig im Schatten des Adels lebt …
Heinrich Mann 1911

Der Untertan, die Geschichte Diederich Heßlings, in jungen Jahren von einem drakonisch strafenden Vater und einer saumseligen Mutter großgezogen, anschließend weiter zurechtgeschliffen im Schul- und Militärdrill der wilhelminischen Ära, gerät bei Heinrich Mann zum Fallbeispiel deutscher Katzbuckelei und Tyrannenmentalität, die sich Macht und Gewaltstrukturen unterwirft, um letztlich an ihnen teilhaben zu dürfen. Heßling, vordergründig als Aufsteiger gefeiert, übernimmt die väterliche Papierfabrik und wird zum mächtigsten Bürger der fiktiven Kleinstadt Netzig. In seiner Mimikri geht er dabei soweit, neben der chauvinistischen Phrasendrescherei der Deutschnationalen auch noch das äußere Erscheinungsbild des Kaisers zu imitieren. Eine „Bilderbuchkarriere“, wie sie nur durch „ein Sinken der Menschenwürde unter jedes bekannte Maß“ zustande kommen konnte, wie Heinrich Mann in einem Brief von 1906 festhielt. (Ravi Unger)

Autor: Heinrich Mann, 1871 in Lübeck geboren, begann nach dem Abgang vom Gymnasium eine Buchhhandelslehre, 1891/92 volontierte er im S. Fischer Verlag. Heinrich Mann hat Romane, Erzählungen, Essays und Schauspiele geschrieben. 1933 emigrierte er nach Frankreich, später in die USA. 1949 nahm er die Berufung zum Präsidenten der neu gegründeten Akademie der Künste in Ost-Berlin an, starb aber 1950 noch in Santa Monica/Kalifornien.

Kurt Tucholsky schrieb eine Rezension unter dem Namen Ignaz Wrobel In: Die Weltbühne, 20.03.1919, Nr. 13, S. 317, nachzulesen hier
Rezension in der Zeit
Eintrag in Kindlers Neuem Literaturlexikon
Besprechung im Bayrischen Fernsehen von Tilman Spengler
Nach oben buckeln und nach unten treten! –  Rezension auf  synaesthetisch.wordpress.com

Über Heinrich Mann

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Published in: on November 1, 2011 at 3:45 pm  Schreibe einen Kommentar  

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