Neue Romane im Frühling

Timur Vermes: Er ist wieder da – Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, 250973516_7e141e3c58ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes‘ Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte. Eichborn, 2012 (Radiobeitrag mit dem Autor auf Bayern2, Interview auf http://www.literaturcafe.de)

jonesSadie Jones: Der ungeladene Gast – Ein schöner Frühlingsabend im Jahr 1912: Es ist Emerald Torringtons zwanzigster Geburtstag. Das schon etwas heruntergekommene Sterne-Anwesen blitzt und glänzt, ein großes Dinner mit Freunden der Familie ist geplant. Doch ein Zugunglück, nur einige Meilen entfernt, sorgt dafür, dass eine Schar derangiert aussehender Passagiere vor der Tür steht und Einlass begehrt. Von nun an läuft nichts mehr nach Plan – und dann taucht auch noch ein Nachzügler auf, der ein dunkles Geheimnis mit der Hausherrin teilt. Während draußen ein nächtlicher Sturm heraufzieht, beginnen drinnen Anstand und Dekorum davonzuwehen und dem Chaos den Weg zu bereiten …DVA, 2012 (Rezension in der Zeit, Trailer)

Sergej Lochthofen: Schwarzes Eis – Dieses Buch handelt von einem Mann, der in den blutigen politischen U1_978-3-498-03940-0.inddGlaubenskämpfen des 20. Jahrhunderts seinen Idealen treu bleibt, obwohl sie ihn fast das Leben kosten. Mit Erfindungsreichtum, Humor und der Hilfe des Zufalls kommt Lorenz Lochthofen durch – ohne zu verbittern. Schicksalsschläge und unerklärliche Wendungen, Liebe und Verlust, Aufbruch und Enttäuschung, Willkür und Grausamkeit: Sergej Lochthofen erzählt das Leben seines Vaters wie einen packenden, tatsachengestützten Roman – einen Lebensroman. Rowohlt, 2012 (Artikel zu Buch und Autor auf www.mdr.de, Artikel in der Thüringer Allgemeinen)

036801_Illies_1913_RME_fin.inddFlorian Illies: 1913 – Die Geschichte eines ungeheuren Jahres, das ein ganzes Jahrhundert prägte: Florian Illies entfaltet virtuos ein historisches Panorama. 1913: Es ist das eine Jahr, in dem unsere Gegenwart begann. In Literatur, Kunst und Musik werden die Extreme ausgereizt, als gäbe es kein Morgen. Zwischen Paris und Moskau, zwischen London, Berlin und Venedig begegnen wir zahllosen Künstlern, deren Schaffen unsere Welt auf Dauer prägte. Man kokst, trinkt, ätzt, hasst, schreibt, malt, zieht sich gegenseitig an und stößt sich ab, liebt und verflucht sich. Es ist ein Jahr, in dem alles möglich scheint. Und doch wohnt dem gleißenden Anfang das Ahnen des Verfalles inne. Literatur, Kunst und Musik wussten schon 1913, dass die Menschheit ihre Unschuld verloren hatte. Der Erste Weltkrieg führte die Schrecken alles vorher schon Erkannten und Gedachten nur noch aus. Florian Illies lässt dieses eine Jahr, einen Moment höchster Blüte und zugleich ein Hochamt des Unterganges, in einem grandiosen Panorama lebendig werden. Fischer, 2012 (Rezension im Cicero, Interview in Die Welt)

Nils Heinrich: Wir hatten nix, nur Umlaute – Von Ostalgie hält er nicht viel. Nils Heinrich war 18, als die Mauer fiel, und erzählt hier mit umlauteintelligentem, galligem Wortwitz von den Alltags-Erlebnissen eines pubertierenden Provinzjugendlichen in der DDR – zwischen Junger Gemeinde und staatlicher Wehrerziehung, evangelischem Posaunenchor und FDJ-Jugendtanz. Mit spitzer Zunge erzählt er aber auch, was nach der Wende aus seiner Ostheimat geworden ist und wie er heute zum Westen steht. Rowohlt, 2013 (Autoren-Homepage, der Autor bei youtube, Besprechung auf buchbegegnungen.de)

wirsinddochschwAnne Gesthuysen: Wir sind doch Schwestern – Drei Schwestern, drei Leben, drei Lieben – und das Porträt eines ganzen Jahrhunderts. Anne Gesthuysen hat ein mitreißendes Buch über ihre faszinierenden Großtanten geschrieben, die zusammen 298 Jahre alt geworden sind. Katty, Paula und Gertrud treffen sich zu Gertruds 100. Geburtstag. Sie wollen ihre Zukunft planen, doch vorher müssen sie ihre Vergangenheit klären. Gertrud hat noch gute Augen, aber hören kann und will sie nicht. Paula kann kaum noch sehen, hat aber immer ein offenes Ohr für ihre Schwestern. Und Katty, das Nesthäkchen, will auch mit 84 Jahren Feste feiern, wie sie fallen, so wie damals, als sie schon meisterhaft beherrschte, was man viel später erst PR nannte. Allen gemeinsam sind Eigensinn, Humor und eine angeborene Kreislaufschwäche, die mit exorbitant starkem Kaffee und gutem Schnaps bekämpft wird – so auch in diesen Tagen auf dem Tellemannshof, wo in jedem Winkel die Erinnerung lauert … Kiepenheuer & Witsch, 2012 (Rezension auf hronline.de, Besprechung auf leselupe.de)

Ingeborg Jacobs: Wolfskind – Ostpreußen 1945. Auf der Flucht vor der Roten Armee verliert die siebenjährige Liesabeth Otto Mutter und wolfskGeschwister. Allein irrt sie durch die Wälder und gerät auf der Suche nach Nahrung und Unterkunft ins benachbarte Baltikum. Unter unfassbaren Entbehrungen schlägt sie sich jahrelang durch, völlig auf sich gestellt, stets auf der Hut vor sowjetischen Häschern. Ein erschütterndes Schicksal, zugleich ein Panorama deutsch-sowjetischer Nachkriegsgeschichte. Propylän, 2010 (Rezension von Arnulf Baring, mehr zum Thema beim Wolfskinder-Geschichtsverein)

nachtbibAudrey Niffenegger: Die Nachtbibliothek – Als Alexandra eines Nachts nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Freund durch die Stadt läuft, stößt sie auf eine Bibliothek auf Rädern, aus der lautstark eines ihrer früheren Lieblingslieder von Bob Marley klingt. Wie magisch fühlt sie sich angezogen und folgt schließlich der Einladung des geheimnisvollen Bibliothekars Mr. Openshaw. Das Innere der Bibliothek ist Alexandra seltsam vertraut: Sie stößt hier auf all ihre zerlesenen Lieblingsromane, auf Bücher, die sie als Teenager geliebt und bewundert hat, und sogar auf ihr eigenes Tagebuch … Am nächsten Morgen ist die Bibliothek verschwunden. Eine Sehnsucht lässt Alexandra von nun an nicht mehr los und nimmt einen immer größeren Platz in ihrem Leben ein.
Eine poetische, hintergründige Liebeserklärung an die Welt der Bücher, inspiriert von H. G. Wells‘ berühmter Kurzgeschichte „Die Tür in der Mauer. Graf, 2012 (Rezension auf paperblog.com, Beitrag im Deutschlandradio)

 

Published in: on April 16, 2013 at 11:48 am  Schreibe einen Kommentar  

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