Konzertlesung mit Heike Stephan und Andreas Schirneck: „Die Bewaffnung der Nachtigall“ – Tagebücher von Klaus Renft

„Abschied heißt doch auch weitergehn/ Tränen hat die Trauer, aber auch das Glück / Komm gut an, nicht zurück / Wandersmann, komm gut an“ heißt es in Renfts „Wandersmann“ (Text: Kurt Demmler, Musik: Peter Gläser).
Der Abschied ist in der Regel das Ende einer Begegnung. Für immer verabschiedet hat sich am 9. Oktober 2006 die Rock-Legende Klaus Renft. Seiner Musik kann man allerdings weiterhin begegnen, zum Beispiel am Montag, 16. März, ab 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Neustadt an der Orla.Layout 1
Renft hat vor allem seine Musik hinterlassen, glücklicherweise aber auch sechs Tagebücher, die bis ins Jahr 1968 zurückführen. Heike Stephan, seine Lebensgefährtin bis zu seinem Tod 2006, lernte auf einer Kunstausstellung Undine Materni kennen. Die Lyrikerin und Schriftstellerin aus Dresden entdeckte mit 14 Jahren Renfts Musik, als die Band schon verboten war. Die beiden Frauen stellten sich der Herausforderung und arbeiteten die Tagebücher auf. Zur Leipziger Buchmesse im März 2015 wird das Ergebnis , herausgegeben im Buschfunk Verlag, erscheinen: „Die Bewaffnung der Nachtigall – Tagebücher von Klaus Renft 1968 bis 1997“.
Noch vor Markteinführung des Buches wird Heike Stephan in Neustadt an der Orla aus den Tagebüchern lesen. Dabei sollen sie, so Renft in einem Eintrag am 24. Juli 1968, „[…] kein Tagebuch noch ein Geschichtenbuch sein, doch der Versuch, Klarheit in meinen Kopf zu bringen, damit ich zielstrebiger denken kann.“
Klaus Renft wurde 1942 in Jena als Klaus Jentzsch geboren, verwendete später den Geburtsnamen seiner Mutter als Künstlername. Mit 16 Jahren gründete er in Leipzig seine erste Band, die Klaus Renft Combo. Nach einem 1962 ausgesprochenen Auftrittsverbot gründete Renft die Beatgruppe The Butlers, deren Auftritte aber bereits wenige Jahre später ebenfalls untersagt wurden. Gegen das staatliche Verbot von Beatmusik und vieler Musikgruppen protestierten am 31. Oktober 1965 in Leipzig über 2000 Beatanhänger. Die Demonstration wurde gewaltsam aufgelöst. Zwei Jahre später durfte die Klaus Renft Combo wieder auftreten, erste Studioaufnahmen konnten realisiert werden. Die LPs „Klaus Renft Combo“ und „Renft“ wurden hunderttausendfach verkauft, die Band zählte zu den beliebtesten Rockgruppen der DDR.
Im September 1975 folgte das nächste Verbot, nachdem die Combo in ihrer „Rockballade vom kleinen Otto“ das Thema Republikflucht aufgriff. Klaus Renft reiste daraufhin mit seiner Frau nach Westberlin aus, wo er als Rundfunkmoderator beim RIAS und dann als Inspizient und Tonmeister am Renaissance-Theater arbeitete.
Nach der friedlichen Revolution kehrte Klaus Renft zurück, die „Klaus Renft Combo“ trat wieder auf und feierte 2003 ihr 45-jähriges Jubiläum. In der Nacht zum 9. Oktober 2006 starb ihr namensgebender Gründer Klaus Renft auf dem Weg ins Krankenhaus am wiederholten Ausbruch eines Krebsleidens.
Lieder wie der zitierte „Wandersmann“, „Wer die Rose ehrt“, „Als ich wie ein Vogel war“ und der „Der Apfeltraum“ haben die DDR überlebt. Andreas Schirneck wird dafür sorgen, dass Renfts Musik auch an diesem Abend in der Neustädter Bibliothek zu hören ist. Der Folkmusiker aus Thüringen gehörte zu den Weggefährten Klaus Renfts. Oft standen sie gemeinsam auf der Bühne, zum letzten Mal am 30. April 2006 in Roßwein, wenige Monate vor Renfts Tod.

Eintrittskarten zum Preis von 6 € (5€ ermäßigt) können vorbestellt werden, telefonisch unter 036481/22901 oder per E-Mail an stadtbibliothek@neustadtanderorla.de.

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Published in: on März 3, 2015 at 11:16 am  Schreibe einen Kommentar  

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