„Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot“ – Lesung mit Marion Brasch

Am Mittwoch, 15. Juni 2016, liest die Hörfunkjournalistin und Schriftstellerin Marion Brasch in der Stadtbibliothek Neustadt an der Orla aus ihrem Roman „Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot“. Die Veranstaltung der 19. Thüringer Literaturtage wird vom Lesezeichen e. V. und der Stadtbibliothek organisiert.

Marion Brasch c Joerg Steinmetz

Foto: Jörg Steinmetz

Im dritten, wunderbar absurden Roman der Berlinerin warten Wladimir und Estragon auf Godot, doch er kommt nicht. Vielleicht hat er sich verlaufen, oder er weiß gar nicht, dass jemand auf ihn wartet. Godot erlebt seltsame Abenteuer: Nachdem er bei einem schweren Unwetter den Niedergang der Werte überstanden hat, begegnet er dem Weihnachtsmann, verbringt eine surreale Nacht im Kaufhaus und verliert kurz darauf seine Stimme, die er beim Gefährlichen Reißwolf wiederzufinden hofft. Er macht Bekanntschaft mit dem jungen Hermann Hesse, der gerade eine Schreibblockade hat, begegnet einem verwöhnten Lackaffen und einer sonderbaren Fischfängerin. Und so ganz nebenbei wird auch das Geheimnis der Weltformel gelüftet.

Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von 6 Euro (5 Euro ermäßigt) können im Vorverkauf in der Stadtbibliothek und in der Touristinformation erworben werden. Kartenreservierungen sind telefonisch unter 036481-22901 oder per E-Mail an stadtbibliothek@neustadtanderorla.de möglich.

Marion Brasch wurde 1961 in Ost-Berlin geboren. Nach dem Abitur und der Ausbildung zur Schriftsetzerin arbeitete sie zunächst in einer Druckerei, später bei verschiedenen Verlagen und dem Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR.
Von 1987 bis 1992 war sie beim Radiosender DT64 als Musikredakteurin, Moderatorin und Autorin tätig. Nach Zwischenstationen bei zwei Rundfunksendern ist sie seit 1997 freiberuflich für Radio Eins (RBB) tätig. In den letzten Jahren war die Mutter einer Tochter auch schriftstellerisch tätig und veröffentlichte drei Romane. Ihre Familiengeschichte liest sich nicht nur spannend wie ein Buch, sie wurde von ihr als solches 2012 unter dem Titel „Ab jetzt ist Ruhe“ auch veröffentlicht.

Die Familie deutsch-österreichischer Kommunisten mit jüdischen Wurzeln war geprägt von Spannungen, ausgetragen in einem Generationenkonflikt zwischen dem Vater und seinen Söhnen. Vater Horst Brasch arbeitete nach seiner Rückkehr aus dem politischen Exil in Großbritannien als Zeitungsredakteur. Dann schlug er eine politische Laufbahn ein, bekleidete verschiedene Ämter bis hin zum stellvertretenden Kulturminister der DDR. Seine ideologische Linientreue sprang nicht auf seine drei Söhne über.

Der älteste, Thomas Brasch, wurde während seines Journalistik-Studiums an der Karl-Marx-Universität Leipzig wegen „Verunglimpfung führender Persönlichkeiten der DDR“ exmatrikuliert. 1968 verteilte er Flugblätter gegen den Einmarsch der sowjetischen Truppen, was ihm eine Haftstrafe einbrachte. Angezeigt hatte ihn sein eigener Vater.
Thomas Brasch wurde nach seiner Ausreise 1976 die literarische Stimme der Nachkriegskinder ostdeutscher Herkunft. Eine inoffizielle Mitarbeiterin der Staatssicherheit denunzierte ihn als Staatsfeind, wie auch seinen Bruder Klaus Brasch. Dieser hatte die Schauspielschule besucht, galt als junges Talent und war auf verschiedenen Bühnen der Republik und in DEFA-Produktionen zu sehen („Solo Sunny“).
Peter Brasch, der jüngste der drei Brüder, wurde ebenfalls während seines Studiums exmatrikuliert, weil er gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestiert hatte. Er blieb aber in der DDR, übersetzte Theaterstücke und schrieb für den Rundfunk. Nach der Wende arbeitete er als Dramaturg und Regisseur.

Alle drei Brasch-Söhne starben früh und teils unter ungeklärten Umständen. Im Gegensatz zu ihren Brüdern rebellierte Marion Brasch nicht, weder gegen den Vater, noch gegen das System. Die letzte Überlebende ihrer Familie ging ihren eigenen Weg. Heute ist sie eine weithin geschätzte Journalistin und Autorin. (D. Pfletscher)

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Published in: on Mai 31, 2016 at 9:43 am  Schreibe einen Kommentar  

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